Gast · Folge 08
Pierre Tempel.
Director of Product bei GitHub, verantwortet dort Code-Sicherheit; war bei SolarWinds während eines der größten Cyberangriffe der Geschichte
Seine Thesen für 2036
Kann man Code noch trauen?
„Die Schwachstellen selbst haben sich nicht verändert, das Tempo schon. Zwischen dem Fund einer Lücke und dem ersten Angriff liegen erstmals weniger als 24 Stunden."
Kann man Code noch trauen?
„Bei Microsoft, GitHub und deren Kunden werden vier- bis sechsmal so viele Schwachstellen gefunden und angegriffen wie zuvor."
Kann man Code noch trauen?
„Security als eigenes Budget oder eigene Abteilung reicht nicht mehr. Sie muss ein nicht optionaler Teil der Entwicklung werden."
Kann man Code noch trauen?
„Nach dem SolarWinds-Angriff war jede Stufe der Softwareproduktion verdächtig, bis hinunter zur Firmware der Build-Server."
Welche Skills 2036 zählen
„KI ersetzt keine Entwickler, sie legt die Messlatte höher. Am meisten profitieren Senior- und Staff-Level, weil sie gelernt haben, Kontrolle abzugeben."
Welche Skills 2036 zählen
„Der Weg vom Junior zum Senior bricht weg, weil genau die Arbeit automatisiert wird, an der man früher Urteilsvermögen aufgebaut hat."
Welche Skills 2036 zählen
„Wer mit KI lernen statt sich bedienen lassen will, nimmt sie in den sokratischen Dialog: erst bauen, dann sich selbst abfragen lassen, bevor es live geht."
Welche Skills 2036 zählen
„Die wichtigste Arbeit verschiebt sich von der Implementierung zur Architektur, weil eine KI zu jeder Idee Ja sagt und die Grenzen ein Mensch ziehen muss."
KI im Unternehmen
„Bei GitHub ist KI in Meetings unerwünscht. Die gemeinsame Stunde gehört den Entscheidungen, die Menschlichkeit brauchen."
KI im Unternehmen
„Juniors fragen heute die KI statt den Senior. Den Business-Kontext, warum etwas so entschieden wurde, kann die KI aber nicht liefern."
Bremst uns Regulierung?
„Digitale Souveränität ist kein Politikthema, sondern ein Geschäftsrisiko: Was passiert mit deinem Startup, wenn dein KI-Anbieter morgen nicht mehr liefert?"
Bremst uns Regulierung?
„Die großen KI-Anbieter werden sich Verticals abgrenzen und dedizierte Modelle mit eigenen Preisen verkaufen. Wer im selben Markt baut, hat ein Problem."
Wird Software wertlos?
„Mehr Code ist mehr Risiko. Die nächste Phase dreht sich nicht um Menge, sondern um den minimalen Overhead, mit dem ein System sein Ziel erreicht."
Sein Rapid-Fire für 2036
„Passkeys."
„Einen eigenen Point of View zu haben. Eine KI sagt nie A oder B, sie sagt immer A, vielleicht B, vielleicht C."
„Im Durchschnitt nicht. Die Leute fragen die KI so, wie sie früher gegoogelt und auf den ersten Link geklickt haben."
„Alles, was auf das Menschliche zielt. Ich glaube, KI zieht sich aus den kreativen Bereichen wieder zurück, und ich hoffe, dass die Menschheit sich 2036 wieder auf die eigene Kreativität verlässt."
„Nein, allein schon wegen der rechtlichen Beschränkungen."
„Bitte nicht die deutsche Strategie einer Extra-Abteilung. Das ist wie die Innovationsabteilung: Da geht Innovation hin zum Sterben. Jeder Mitarbeiter sollte sich eine eigene KI-Strategie zurechtlegen."
„KI verstärkt alles. Unsichere Systeme werden sehr viel unsicherer, und wer sich Gedanken über Sicherheit macht, wird sehr viel sicherer. Die Extreme werden extremer."
„Der, der am Ende den Abzug betätigt hat. Wer den Agenten losgelassen und sich die Gedanken über Konsequenzen nicht gemacht hat, sollte auch haften."
„KI ist längst in den falschen und in den richtigen Händen. Mehr Angst habe ich davor, dass Menschen das kritische Denken verlernen und alles Denken an die KI abschieben."
„Programmieren muss nicht jedem beigebracht werden. Was es braucht, ist KI-Kompetenz im Rahmen der Sozialkunde: Wie gehe ich damit um, wo sind meine Grenzen?"
Die Abschlussfrage: Was machst du heute, wofür man dich 2036 belächeln würde?
„Dokumente, Grafiken und Slides für Meetings selbst zu bauen. Und Autofahren, das möchte ich 2036 trotzdem noch selbst machen."