Blog · 14. Juli 2026

Deine Kunden googeln nicht mehr: Wie du in ChatGPT-Antworten sichtbar wirst

Niclas Aunin hat ALLMO als Solo-Founder aufgebaut und hilft Unternehmen, in KI-Antworten aufzutauchen. Warum GEO das neue SEO ist, wie du mit kleinem Budget startest und warum deutsche Firmen einen unsichtbaren Nachteil haben.


Niclas Aunin ist Gründer von ALLMO und Experte für Generative Engine Optimization. In Folge 6 von Agenda 2036 erklärt er, wie Unternehmen in den Antworten von ChatGPT, Perplexity und Gemini sichtbar werden, warum das gerade für kleine Firmen eine Chance ist und wo für deutsche Unternehmen ein stiller Nachteil lauert. Die wichtigsten Aussagen aus dem Gespräch.

Was ist GEO, und warum ersetzt es SEO?

GEO steht für Generative Engine Optimization, angelehnt an SEO. Der Grund für die neue Disziplin: Menschen suchen nicht mehr bei Google, sondern fragen ChatGPT, Claude oder Gemini. “Firmen haben gemerkt, dass viele Kaufentscheidungen dort getroffen werden und sie dort auftauchen möchten”, sagt Aunin. Wie die KI entscheidet, was sie ausspuckt, hängt an zwei Dingen: den Trainingsdaten (mit einem Wissens-Cutoff von sechs Monaten bis zwei Jahren) und aktuellen Quellen aus dem Netz, die die KI live dazuzieht.

Wie du mit kleinem Budget anfängst

Aunins Rat für Neugründer ist konkret und günstig: Erst eine Website (schon für 30 Euro im Monat), denn jede KI nutzt im Hintergrund eine Suchmaschine und braucht dich als Quelle. Dann Content zu den Fragen, die Kunden ohnehin stellen. Dann Prompt Research: “Ich überlege mir, wonach meine Kunden suchen, frage: Wer ist der beste Anbieter in meiner Branche? Und schaue, welche Informationen über mein Unternehmen schon richtig dargestellt werden.” Dazu ein Profil auf fünf bis zehn relevanten Review-Seiten und in Nischenforen, die in keinem Playbook stehen, aber in deiner Branche zitiert werden.

Sein wichtigster Hebel sind eigene, einzigartige Daten: “Ich habe eine Studie mit meinem eigenen Datensatz repliziert. Das ist jetzt einer der meistzitierten Artikel von allen, die ich geschrieben habe, weil die KI lieber einzigartige, belegte Daten nimmt als Content, der schon zehnmal recycelt wurde.”

Warum kleine Firmen jetzt im Vorteil sind

Anders als bei SEO, wo man gegen zehn Jahre alte Platzhirsche antrat, sind KI-Prompts länger und spezifischer, laut Aunin sechs- bis 21-mal so lang wie eine Google-Suche. “Für dich als kleines Unternehmen ist es viel einfacher aufzutauchen, weil die Suche nischiger und personalisierter wird.” Wer “Projektmanagement für Handwerker in Hamburg” bedient, taucht leichter auf als der generische Projektmanagement-Anbieter.

Der unsichtbare amerikanische Nachteil

Auniens brisanteste These betrifft einen strukturellen Bias. Nicht, weil OpenAI absichtlich US-Firmen bevorzuge, sondern durch die Daten: Reddit hat in den USA rund 200 Millionen Nutzer, in Deutschland 20 Millionen, und ist eine der meistzitierten KI-Quellen. Dazu kommt: “Bei 77 Prozent der deutschsprachigen Prompts wird eine englischsprachige Suche ausgelöst.” Das Ergebnis: Antworten tendieren zu amerikanischen Unternehmen. “Wenn wir über 3, 4, 5 Prozent gebiaste Ergebnisse reden, sind das in einer Kaufentscheidung plötzlich 3, 4, 5 Prozent Umsatz, die von deutschen zu amerikanischen Firmen fließen. Wer das nicht mitdenkt, verschläft sehr viel.”

Der Sprung in die Selbstständigkeit

Aunin hat ALLMO allein aufgebaut, mit Lovable und KI-Agenten als Hebel. Eine Jahresstatistik von Lovable habe ihm den Gegenwert von über drei Vollzeit-Entwicklern ausgewiesen. Den Sprung wagte er, bevor das Modell bewiesen war: “Ich hatte das Gefühl, das ist der Moment meiner Generation. Ich habe die Skills, ich habe das Umfeld, let’s go.” Sein Umfeld reagierte anders als erwartet: “Ich hätte gerechnet, dass die Leute sagen, bist du verrückt, du kannst doch nicht deinen Job kündigen. Stattdessen hat mir jeder gesagt: super mutig, super Schritt.” Sein Fazit zum Gründen: “Jeder sollte gründen, aber aus den richtigen Gründen.”

Sein Rapid-Fire für 2036

2036 googelt niemand mehr. Wir vertrauen KI-Antworten mehr als Experten, müssen aber lernen, sie genauso kritisch zu hinterfragen. Websites bleiben, aber KI-first. Ein Software-Unternehmen mit einer Milliarde Umsatz hat nur noch 10 bis 50 Mitarbeiter. Und die wertvollste Fähigkeit? Optimismus, “die Haltung, dass es besser gehen kann, statt den Status quo zu akzeptieren”. Alle Antworten und wie sie zu denen der anderen Gäste stehen im Thesen-Netz.

Das ganze Gespräch: Folge 06 mit Niclas Aunin. Mehr zu seinem Tool: allmo.ai.

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