Blog · 11. Juli 2026

"Das Ende von Vibecoding": Warum der Engpass nicht mehr die KI ist, sondern du

Philipp Hoffmann baut mit KI Software für große Konzerne. Sein Befund: Der Begriff Vibecoding ist schon wieder obsolet, die Grenze liegt nicht mehr in der Technik, sondern in der eigenen Intelligenz, und wer sich weigert zu lernen, hat verloren.


Philipp Hoffmann ist Gründer von Reruption und baut mit KI kleine Startups für große Konzerne. In Folge 5 von Agenda 2036 erklärt er, warum “Vibecoding” schon wieder ein überholter Begriff ist, was jetzt wirklich über Erfolg entscheidet und warum er beim Thema Lernen keine Geduld mehr hat. Die wichtigsten Aussagen aus dem Gespräch.

Warum Vibecoding schon wieder obsolet ist

Kaum hat sich der Begriff etabliert, ist er für Hoffmann schon überholt: “Der Begriff Vibecoding ist fast schon wieder obsolet.” Der Grund ist nicht Stillstand, sondern Normalisierung. Heute interagiere kaum jemand mehr direkt mit Code, auch professionelle Entwickler nicht: “Ich glaube, das läuft alles nur noch über natürliche Sprache.” Jeder mache heute Vibecoding, und genau deshalb brauche es keinen eigenen Namen mehr.

Die Grenze liegt in deiner eigenen Intelligenz

Auf die Frage nach den Grenzen der Technik antwortet Hoffmann bemerkenswert: Es gebe kaum noch welche, jedenfalls nicht in der KI. “Die Grenze, wenn überhaupt, liegt weniger in der KI und mehr in deiner eigenen Intelligenz, weil du die KI noch steuern und selber die Idee haben musst, was du bauen willst.” Der eigentliche Skill sei zu erkennen, welche Probleme sich überhaupt mit KI lösen lassen, ein Kreativitätsmuskel, den man trainieren müsse “wie im Gym: Dinge machen, ausprobieren, scheitern, lernen”.

Kein Verständnis für Lernverweigerung

Beim Thema Weiterbildung wird Hoffmann deutlich. Lernen koste heute fast nichts und sei so leicht wie nie: “Wer sagt, ich gebe keine 20 Euro für ein KI-Tool aus, der kann sich auch gleich arbeitslos melden, weil du mit so einem Mindset in fünf bis zehn Jahren am Arsch bist.” Das gelte unabhängig davon, ob der Arbeitgeber KI erlaube: Wer wartet, bis die Firma eine perfekte KI-Strategie hat, verliert. “Sechs Monate in der KI-Entwicklung sind ein Jahrzehnt von früher. Die Strategie ist veraltet in dem Moment, wo sie fertig ist.”

Was mit den Entwicklern passiert

Hoffmann spricht offen über die Kehrseite. Zwanzig Jahre Entwickler-Herrschaftswissen könnten binnen eines Jahres wertlos werden: “Jetzt kommt KI, und innerhalb von einem Jahr ist das alles nichts mehr wert.” Er zeichnet dabei kein reines Aufstiegsmärchen. Es bilde sich zwar eine neue Klasse von “1000x-Entwicklern” in winzigen, hochproduktiven Teams, aber: “Ein paar werden den Sprung schaffen, und ein paar werden sich beruflich neu orientieren müssen.” Nicht jeder wird mitkommen, und das dürfe man nicht wegreden.

Reichweite schlägt Wissen

Sein vielleicht wichtigster Rat deckt sich mit dem anderer Gäste: Der knappe Faktor ist nicht mehr das Bauen, sondern das Erreichen. “Reichweite auf jeden Fall. KI macht es einfacher, Produkte zu bauen, aber dieser zwischenmenschliche Faktor wird der Superskill der Zukunft. Wer Leute erreicht, hat einen massiven Wettbewerbsvorteil.”

Sein Rapid-Fire für 2036

Keine Tastatur mehr, sondern Neuralink. Das Solo-Founder-Unicorn kommt spätestens 2027. Ein Studium lohnt sich, aber nicht fachlich, sondern als Kombination aus Sozialwissenschaft, Philosophie oder Handwerk mit KI-Wissen. 2036 kostet durch humanoide Roboter alles nur noch ein Zehntel. Und die wertvollste menschliche Fähigkeit? Empathie, dicht gefolgt von Kreativität. Alle Antworten im Thesen-Netz, wo du auch sehen kannst, wie Hoffmanns Antworten zu denen der anderen Gäste stehen.

Das ganze Gespräch: Folge 05 mit Philipp Hoffmann.

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