Blog · 11. Juli 2026

Das Blatt hat sich gewendet: Warum BWLer die Gewinner der KI-Welle sind

Maximilian Eckel trainiert an der WHU Deutschlands nächste Gründergeneration. Seine These: KI hat das klassische Founding-Team-Modell gekippt. Der Engpass ist nicht mehr der Code, sondern Distribution und Tatendrang.


Maximilian Eckel leitet das Entrepreneurship Center der WHU, die wohl produktivste Gründerschmiede Deutschlands. In Folge 4 von Agenda 2036 erklärt er, warum KI für Business-Talente ein Segen ist, welche Ausreden nicht mehr gelten und welcher Skill heute wirklich über Erfolg entscheidet. Die wichtigsten Aussagen aus dem Gespräch.

Warum KI für BWLer ein Segen ist

Jahrelang galt in der Startup-Welt: Ohne technischen Cofounder keine Firma. Eckel beobachtet, wie KI dieses Machtverhältnis dreht. “Produktentwicklung wird immer mehr zu einer Commodity. Distribution ist jetzt auf einmal der Flaschenhals, der dafür sorgt, ob ein Unternehmen erfolgreich wird oder nicht.” Und Distribution heißt Marketing, Finanzierung, Prozessaufbau, Execution: genau die Fähigkeiten von Leuten mit generalistischer, kommerzieller Ausbildung.

Die Kehrseite: “Die Ausrede, ich habe keinen technischen Co-Founder, deswegen konnte ich das noch nicht machen, zählt halt auch nicht mehr.” Investoren erwarten heute, dass du dein MVP selbst validiert hast, bevor du Geld einsammelst.

Venture Capital ist nicht mehr der Standard

Früher galt die Finanzierungsrunde als Ritterschlag. Heute dreht Eckel die Logik um: “Im besten Fall habe ich jetzt einen guten Grund, warum mein Startup Venture-Capital-finanziert sein soll.” Wer vor allem sein eigener Herr sein und gestalten will, kann dank KI bootstrappen. Gründen sei dadurch nicht weniger riskant geworden, aber: “Du könntest wahrscheinlich mehr Versuche wagen in derselben Zeit und mit demselben Budget als früher.”

Der Skill, der wirklich zählt: Agency

Auf die Frage, was erfolgreiche Gründer von anderen unterscheidet, nennt Eckel weder Code noch Konzepte: “Leute dazu zu bringen, sich für dich Zeit zu nehmen, ist wichtiger denn je. Agency, die beste Übersetzung ist wahrscheinlich Tatendrang, ist einfach ein unglaublicher Differenzierungsfaktor.” Verstecke ich mich hinter Cold E-Mails, oder nehme ich den Hörer in die Hand und gehe ins Büro der Firma, mit der ich zu tun haben will?

Sein praktischer Rat für den Outreach: mach der anderen Person das Ja einfach. Ein Satz Pitch, ein konkreter Anlass, eine konkrete Frage, minimale Transaktionskosten. Und für die Karriere: “Choose your boss, not your job. Guck, dass du in Umfeldern landest, wo die Messlatte immer höher gesetzt wird.” Das erhöhe die “Surface Area for Luck”, also die Angriffsfläche für Glück.

Die unbequeme Seite: Incumbents und Gegenbewegung

Zwei Warnungen hat Eckel auch dabei. Erstens werden die großen Plattformen stärker: “Microsoft, Google und Co. haben eine riesige Distribution. Und wenn die durch schnellere Inhouse-Entwicklerteams das coole Startup, das du gebaut hast, intern kopieren können, freuen sich viele Corporates.”

Zweitens erwartet er gesellschaftlichen Widerstand, wenn die KI-Gewinne nicht ankommen: “Selbst wenn das Wirtschaftswachstum steigt: Wenn das bei mir nicht ankommt, ist mir das herzlich egal.” Sein historischer Vergleich sind die Ludditen der Industrialisierung. Was dagegen hilft, sind positive Zielbilder, und da sieht er eine Lücke: “Welche positiven Zielbilder kannst du den Leuten geben, dass man Lust hat, nach vorne zu laufen? Da machen wir gesellschaftlich gerade nicht so einen super Job.”

Sein Rapid-Fire für 2036

Das Solo-Founder-Unicorn kommt: absolut. Der Anwaltsgehilfe verschwindet als Berufseinstieg. Wissensarbeiter arbeiten weiter 40 Stunden, aber mit einem Vielfachen an Produktivität. Deutschland hat 2036 eher mehr als weniger Leute in der Tech-Industrie, Chancen auf Marktführerschaft sieht er in Robotik, Quantencomputing und Fusionsenergie. Und mehr Zeit verbringen wir 2036 mit Menschen, nicht mit KI-Agenten: “Warum sollten KI-Agenten mit Menschen reden? Das ist super ineffizient. Sollen die miteinander reden, und wir reden miteinander.” Alle Antworten im Thesen-Netz.

Das ganze Gespräch: Folge 04 mit Maximilian Eckel.

← Alle Artikel